Im Interview: Herrmann’s Manufaktur-Gründer Erich Herrmann

Im Interview: Herrmann’s Manufaktur-Gründer Erich Herrmann

Hinter jedem Unternehmen steht eine Geschichte und meist viel Leidenschaft. Das ist auf jeden Fall bei Herrmann’s Manufaktur so. Ein Gespräch über den Beginn, Werte und warum uns Hunde und Katzen gut tun. (Foto privat, Koblenz, Deutsches Eck)

2006 haben Sie Herrmann’s Manufaktur gegründet. Was war der Anlass dafür?

Erich Herrmann: Meine Frau Karin Herrmann und ich stellten mit Erstaunen fest, dass es zum damaligen Zeitpunkt kein hochwertiges Tierfutter frei von Zusätzen zu kaufen gab. Wir mussten auch erleben, was das für die Vierbeiner bedeutet.

Wir hatten im Rahmen einer Tierschutz-Aktion zwei Straßenhunde aus Spanien bei uns aufgenommen. Ihr neues Zuhause tat ihnen richtig gut, aber sie vertrugen das Hundefutter nicht.

Grund war, dass die beiden auf die darin Zusatzstoffe wie Bindemittel, Farb- und Füllstoffe reagierten. Ihr Darm war sensibel. Als Straßenhunde hatten sie sich von Müll ernähren müssen. Das wirkte fort.

Meine Frau kochte das Futter also selbst und das war für ihre Gesundheit der beste Weg.

Wir kamen zu dem Schluss: Es muss für Halter gesundes, artgerechtes Tierfutter auch zu kaufen geben. Nicht jeder hat die Zeit, selber zu kochen. So entstand die Idee, Herrmann’s Manufaktur zu gründen.

Sie waren damals Pionier in dem Marktsegment Bio-Hundefutter. Wie war der Beginn? War viel Überzeugungsarbeit nötig?

Erich Herrmann: Ja. Rückblickend muss man sagen, dass uns einige Hürden erwarteten.

Zunächst gab es Vorurteile. Unsere Hausbank fand unsere Gründeridee eher weltfremd. Auch die Händler signalisierten zunächst keinen Bedarf.

Klar, unser Anspruch war hoch, erst recht im damaligen Kontext. Denn wir wollten nicht nur Futter herstellen, dass frei von Zusätzen ist, sondern wir fanden, dass die Liebe nicht beim eigenen Haustier enden durfte. Daher kamen für uns nur Zutaten aus Bio-Haltung – und -Anbau in Frage.

Wir sahen darin nur Vorteile: Sicherheit, dass die Nutztiere artgerecht gehalten werden und dass ihr Fleisch keine Antibiotika und Pestizide enthält.

Aber wir ließen uns nicht entmutigen – unser Anliegen war richtig. Dank privater Mittel und Fördergelder haben wir klein gestartet. Zunächst nebenberuflich. Die ersten Dosen wurden sogar per Hand abgefüllt.

Was sind Ihre Leitlinien als Unternehmer? Was liegt Ihnen am Herzen?

Erich Herrmann: Die Produkte sollen artgerecht und ausschließlich für das Wohl des Haustieres hergestellt sein. Füllstoffe, Farbstoffe, Chemie als Zusätze sind für uns tabu. Das ist in der Herstellung zwar deutlich teurer und die Marge fällt geringer aus, aber Profit zu machen zum Leidwesen der Haustiere ist für mich keine Option.

Bei der Herstellung achten wir darauf, dass nur eine Handvoll gesunder Zutaten je Rezeptur verwendet und dass sie schonend verarbeitet wird. Das ist unser Garant für qualitativ hochwertige Produkte. Dafür steht stehen wir.

Diesen Leitlinien sind wir seit der Unternehmensgründung treu geblieben und werden das auch weiter tun.

Aufklärungsarbeit müssen wir mitunter leisten, dass Zusatzmittel-freie Produkte optisch voneinander abweichen können.

Wie hat sich über die Jahre das Produktsortiment von Herrmann’s Manufaktur entwickelt?

Erich Herrmann: Begonnen haben wir mit 4 Menüs, inzwischen gibt es 500 Futter-Kombinationen für Hunde und Katzen zu kaufen.

Von Anfang an orientierten wir uns bei der Entwicklung neuer Rezepturen und Produkte an dem Grundsatz, nur eine Proteinquelle zu verwenden. Damit möchten wir auch auf die Bedürfnisse von allergischen Hunden und Katzen eingehen. Denn Unverträglichkeiten bei Haustieren werden wie bei uns Menschen immer häufiger.

Neben den erwähnten Menüs, die inzwischen unter der Classic Linie zusammen gefasst sind, gibt es auch Reinfleischdosen. Zuletzt kam die Selection Linie hinzu, die sich durch Rubriken wie Welpe, Erwachsen, Leicht und Sensibel auszeichnet.

Zunächst stand Bio-Hundefutter im Mittelpunkt, nun bietet Herrmann’s Manufaktur auch Katzenfutter an. Welche Erfahrungen haben Sie hier gemacht?

Erich Herrmann: Der Schritt, das Sortiment dahingehend zu erweitern, war für uns nur logisch. Viele Katzen-Halter hatten das auch angefragt.

Unsere Herstellungs-Leitlinien haben wir zu Beginn einfach übertragen, mussten aber feststellen, dass es Besonderheiten gibt. Die Katzen sind in gewisser Weise wählerischer. Daher arbeitet die Futter-Industrie mitunter mit Hilfsstoffen wie Geschmacksverstärkern. Das tun wir nicht.

Wir haben stattdessen in der Testkochung intensiv gearbeitet. Mit einem hohen Fleischanteil bieten wir ein sehr gutes Bio-Katzenfutter an, das prima ankommt bei den verschmusten Vierbeinern.

Ihr Unternehmen hat seinen Sitz im oberbayerischen Aßling, einer Gemeinde mit 4.500 Einwohnern. Wie sind Sie als Unternehmen regional verankert?

Erich Herrmann: Wir erfahren viel Unterstützung. Landwirte in der Region bieten uns ihre Erzeugnisse an, aber auch von administrativer Seite hilft man uns und schätzt uns als Gemeindemitglied.

Wie wird in Ihrem Unternehmen Tierliebe gelebt?

Erich Herrmann: Die geht natürlich über die Produkte hinaus. Wer zu uns kommt, wird feststellen, dass viele Mitarbeiter ihre Hunde mitbringen. Das Futter für sie erhalten sie natürlich kostenlos. Ihre Anwesenheit tut uns allen gut. Wer möchte schon Hunde und Katzen missen? Sie leben uns täglich vor, wie schön das Leben ist.

Herzlichsten Dank!