Mehr als nur Zutaten – Etiketten und Deklarationen lesen

Mehr als nur Zutaten – Etiketten und Deklarationen lesen

Die Etiketten von Hunde- oder Katzenfutter enthält viel mehr Informationen als nur die Zusammensetzung. Was sind denn Analytische Bestandteile? Was bedeutet Rohasche? Und welche Informationen kann man aus den Deklarationen lesen? Wir reden Klartext.

Mehr als ein Stück Papier

Das Wort Etikett wird 1858 erstmals erwähnt als „Stückchen Papier oder Pergament, welches man einer Sache anheftet, um sich bei Gelegenheit ihres Preises oder ihrer Güte zu erinnern“, benutzt von Kaufleuten. So vage geht es heute bei Etiketten natürlich nicht mehr zu, ganz im Gegenteil gibt es natürlich viele Verordnung der EU zur Kennzeichnung von Futtermitteln (s. u.); und das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gibt einen Leitfaden zur Kennzeichnung von Einzelfuttermitteln und Mischfuttermitteln heraus. Darüber hinaus schreibt auch die EU-Öko-Verordnung für Bio-Betriebe manches vor. Und wir halten uns dran, klar!

Das alles muss aufs Etikett:

  • Natürlich steht auf dem Etikett die Marke bzw. der Hersteller (es gibt auch viele Marken, die nicht selber herstellen, sondern herstellen lassen, wir produzieren selbst in unserer Manufaktur)
  • die Adresse des Herstellers mit einer Kontaktmöglichkeit per Telefon oder E-Mail (so ist die Vorschrift)
  • am meisten gelesen sicherlich die Sorte,
  • das Mindesthaltbarkeitsdatum
  • die Kennnummer der Partie
  • das Nettogewicht (Inhalte ohne Verpackung)
  • die Futtermittelart
  • die Tierart, für die es bestimmt ist
  • die Zusatzstoffe, falls zugesetzt mit „Zusatzstoffe je kg“
  • ggf. Hinweise über die sachgerechte Verwendung
  • die Zusammensetzung
  • Inhaltsstoffe (Analytische Werte)

Was? Für wen? Und wie viel?  

Verpflichtend sind auf den Etiketten auch die Angabe der Futtermittelart und für welches Tier das Futter gedacht ist. Also z. B. „Alleinfuttermittel für Hunde“.

Hier unterscheidet man u. a. zwischen Alleinfuttermittel, Ergänzungsfuttermittel und Einzelfuttermittel.

„Alleinfuttermittel“: Mischfuttermittel, das wegen seiner Zusammensetzung für eine tägliche Ration ausreicht;

„Ergänzungsfuttermittel“: Mischfuttermittel, das einen hohen Gehalt an bestimmten Stoffen aufweist, aber aufgrund seiner Zusammensetzung nur mit anderen Futtermitteln zusammen für die tägliche Ration ausreicht;

Die Entscheidung, ob ein Futtermittel aufgrund seiner Zusammensetzung als „Alleinfutter“ bezeichnet werden kann oder eine andere Bezeichnung zu verwenden ist, liegt in der Verantwortung des Futtermittelunternehmens. Die Überprüfung der Richtigkeit dieser Zusicherung ist Aufgabe der amtlichen Überwachung. Der Tierhalter muss darauf achten, dass das von ihm zu versorgende Tier bedarfsgerecht ernährt wird. Er muss dabei auch berücksichtigen, dass bestimmte Abschnitte im Laufe des Lebens eines Tieres (z. B. Jugend, Alter) oder Stoffwechselsituationen unterschiedliche Ansprüche an die Ernährung stellen.

(Quelle: Verordnung (EG) Nr. 767/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009, Artikel 3.)

Einzelfuttermittel sind, wie man sich denke kann, z. B. unsere Bio Kartoffelflocken oder unsere Bio Reisflocken, also Futtermittel, die nur aus einer Zutat bestehen.

Die Zusammensetzung der Zutaten

Damit haben sich sicherlich die meisten Kunden schon beschäftigt, auf den Etiketten die Zutatenliste zu lesen. Und im Laufe eines Dosenöffner-Lebens hat man festgestellt, dass es hier große Unterschiede in der Deklaration gibt.

Die Zusammensetzung ist das Verzeichnis der Einzelfuttermittel (Zutaten), aus denen das Alleinfuttermittel oder Ergänzungsfuttermittel besteht. Dabei dürfen nur Einzelfuttermittel (Zutaten) verwendet und aufgeführt werden, die auch im Katalog der Einzelfuttermittel gemäß Verordnung 767/2009 stehen. Die Angabe der Zutaten erfolgt dabei gewichtsmäßig in absteigender Reihenfolge. Wird eine Zutat dabei durch Wort, Bild oder Grafik besonders hervorgehoben, ist dafür der Gewichtsprozentsatz anzugeben.

Man unterscheidet zwischen einer halboffenen oder offenen Deklaration und einer Gruppen-Deklaration. Dabei können Zutaten einzeln deklariert werden (offene Deklaration) oder in Gruppen zusammengefasst.

Hierzu zählt das berüchtigte „Fleisch und tierischen Nebenerzeugnisse“. Dabei wird dann Muskelfleisch, Leber, Mägen, Lunge zusammengefasst und nicht einzeln aufgezählt. Also ist auch nicht zu erkennen, ob tatsächlich wertvolles Muskelfleisch und nährstoffreiche Leber enthalten sind oder andere „tierischen Nebenerzeugnisse“.

Beschreibung der Gruppe Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse laut Futtermittelverordnung:

„Alle Fleischteile geschlachteter warmblütiger Landtiere, frisch oder durch ein geeignetes Verfahren haltbar gemacht, sowie alle Erzeugnisse und Nebenerzeugnisse aus der Verarbeitung von Tierkörpern oder Teilen von Tierkörpern warmblütiger Landtiere“

Wir sind für Transparenz. Daher deklarieren wir auf unseren Etiketten momentan „halboffen“ und werden zukünftig offen deklarieren, also alle Zutaten mit genauen Prozentangaben.

Mit Prozentangaben muss also jede Zutat aufgeführt werden, die im Menünamen bzw. in Text oder Bild auf dem Etikett erscheint. Daher also ist z. B. bei „Ziege mit Rote Beete und Hirse“ die Ziege mit 50 % deklariert sowie die Rote Beete und die Hirse mit jeweils 8 Prozent.

In diesem Fall müssen wir als Bio-Hersteller auch den Anteil der Bio-Zutaten extra aufführen, da die Ziege bei uns aus artgerechter Freilandhaltung kommt, aber kein Bio-Siegel hat.

Denn die Biorichtlinien geben zusätzliche Kriterien für die Kennzeichnung auf Etiketten vor. Ein Bio-Siegel darf nur dann verwendet werden, wenn 95 % der Zutaten landwirtschaftlichen Ursprungs aus kontrolliert ökologischer Erzeugung kommen. Es müssen alle Zutaten landwirtschaftlichen Ursprungs markiert sein, die aus ökologischer Erzeugung kommen (bei uns mit Stern und Legende „*aus kontrolliert biologischem Anbau“). Bei weniger als 95 % Bio-Anteil muss zusätzlich der Gesamtanteil der landwirtschaftlichen Zutaten aus ökologischer Erzeugung angegeben werden.

Also bei unserem Beispiel: „49 % aus kontrolliert biologischem Anbau“.

Angaben zu Inhaltsstoffen – Analytische Bestandteile

Bei einem Alleinfuttermittel oder Ergänzungsfuttermittel sind die Analytischen Bestandteile Rohprotein, Rohfaser, Rohfett und Rohasche unter Inhaltstoffe auf dem Etikett anzugeben. Die Berücksichtigung des Wassergehalts erfolgt bei der Kennzeichnung durch die Angabe des Feuchtegehalts. Ab 14 % Feuchte ist eine Angabe der Feuchtigkeit erforderlich!

Die Inhaltsstoffe eines Futters werden mithilfe der sog. „Weender Analyse“ analysiert. Diese Analyseart wurde 1864 in der landwirtschaftlichen Versuchsanstalt in Weende bei Göttingen entwickelt. Dabei werden die Parameter unabhängig voneinander ermittelt und die Summe ergibt daher nicht zwangsläufig 100 %.

Rohprotein:  Proteine (= Eiweiße) bestehen aus einer Verkettung von Aminosäuren und werden benötigt, um Körperzellen zu erhalten. Sicher haben Sie auch schon gehört, dass man essenzielle Aminosäuren über die Nahrung dem Körper zuführen muss. So ist ein hoher Anteil an Rohprotein meist ein Zeichen für hochwertiges Futter, doch ist dabei nicht herauszulesen, ob das Protein aus hochwertigem Muskelfleisch oder minderwertigen Quellen entsteht. Bei manchen Erkrankungen (wie Niereninsuffizienz) muss man auf einen möglichst niedrigen Proteingehalt achten.)

Als Rohfett wird der gesamte Fettanteil von Fleisch, Nebenerzeugnissen und den verwendeten Ölen bezeichnet. Der Rohfett-Anteil sagt aber nichts über die Qualität der Fette aus. Als Energielieferant sollte gerade bei jüngeren Tieren, aber auch bei Senioren auf einen hochwertigen Fettanteil geachtet werden.

Rohasche ist, wie es klingt, tatsächlich der Anteil des Futters, der übrig bleibt, wenn man es bei hohen Temperaturen verbrennt. Sie enthält die anorganischen Bestandteile des Futters, zum Beispiel alle Mineralstoffe und Spurenelemente. Dieser Wert ist immer sehr niedrig und das ist gut so. Denn: Je höher der Wert der Rohasche, desto minderwertiger wahrscheinlich das Futter, da wohl noch Schnäbel oder Krallen mitverarbeitet werden könnten. Als „Grenzwert“ gilt 3 %, höher sollte der Rohaschewert nicht sein, bei unseren Menüs liegt der Wert zwischen 0,7 und 2,2 %.

Rohfaser ist der„unverdauliche Anteil“ im Futter, es sind alle Zellulosefasern pflanzlicher Bestandteile. Klingt wie gute Ballaststoffe, ist es aber nicht. Ein hoher Anteil an Rohfaser beeinflusst die Darmfunktion und Kotmenge negativ. Der Rohfaseranteil sollte bei 1 – 1,5 % liegen. Bereits ab 3 % Anteil kann die Verdaulichkeit der Futterration negativ beeinflusst werden.

Die Feuchtigkeit entspricht, wie zu erwarten, dem Wasseranteil im Futter. Bei Trockenfutter liegt dieser in der Regel bei 10 %, bei Nassfutter um die 80 %.

Verwendete Zusatzstoffe

Es gibt 4 Gruppen von Zusatzstoffen: die „technologischen Zusatzstoffe“, das sind Konservierungsmittel, Bindemittel oder Antioxidantien, die „sensorischen Zusatzstoffe“, also Farb-, Aroma- oder Lockstoffe und „zootechnische Zusatzstoffe“ wie Darmflora-Stabilisatoren oder Verdaulichkeitsförderer. Diese Gruppen verwenden wir selbstverständlich nicht.

Es müssen die „ernährungsphysiologischen Zusatzstoffe“, also Vitamine, Nährstoffe und Spurenelemente, deklariert werden, für die eine Höchstgrenze vorgeschrieben ist.

In unserer Linie für den Einzelhandel und in der Professional-Linie für Züchter verwenden wir ernährungsphysiologische Zusatzstoffe, um eine gleichbleibende Nährstoffdichte garantieren zu können. Dieser Vitamin-Mix ist biokonform, da mineralischen Ursprungs.

In unserer Selection-Linie verwenden wir für den Relaunch Spurenelemente mineralischen Ursprungs und aus organischer Quelle. Das ist ein wirklich schwieriges Unterfangen, doch so möchten wir den Spagat zwischen unserer Philosophie, möglichst natürlich zu produzieren und den Anforderungen der Futtermittelbehörde schaffen. Ganz in Ihrem Sinne! Das Ergebnis präsentieren wir Ihnen in den nächsten Monaten.

Mehr zu unserer Linie für den Einzelhandel finden Sie hier:

Mehr zu unserer Philosophie und dem Relaunch der Selection-Linie gibt es hier im Blog.-Beitrag.

Um für Sie alle Informationen möglichst klar erkennbar und übersichtlich zu präsentieren, arbeiten wir auch an einem Relaunch der Etiketten. Denn wir meinen, es ist keinem gedient, wenn die Informationen auf den Etiketten irgendwie zwischen 6 Sprachen in winzig kleiner Schrift versteckt werden. So ist der Stand momentan:

Wesentliche Verordnungen:

Verordnung (EG) Nr. 767/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 über das Inverkehrbringen und die Verwendung von Futtermitteln, zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1831/2003 des Europäischen Parlaments und des Rates und zur Aufhebung der Richtlinien 79/373/EWG des Rates, 80/511/EWG der Kommission, 82/471/EWG des Rates, 83/228/EWG des Rates, 93/74/EWG des Rates, 93/113/EG des Rates und 96/25/EG des Rates und der Entscheidung 2004/217/EG der KommissionText von Bedeutung für den EWR (europa.eu)

Produktion und Kennzeichnung von ökologischen/biologischen Erzeugnissen (europa.eu)

Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Leitfaden zur Kennzeichnung von Einzelfuttermitteln und Mischfuttermitteln, 2. Auflage

(Stand: 24.04.2012)

Das könnte Sie auch interessieren: