Hunde mit Job: Diabetes-Warnhunde – wenn die Hundeschnauze Leben rettet.

Hunde mit Job: Diabetes-Warnhunde – wenn die Hundeschnauze Leben rettet.

Sicher ist: Ein Hund kann Veränderungen im Körpergeruch und auch im Verhalten eines Menschen schnell erkennen. Wenn ein Diabetes-Patient eine Zuckerentgleisung hat (in einen geringen oder in einen zu hohen Bereich), können Bewusstlosigkeit oder der Tod folgen. Diabetes-Warnhunde erkennen die Anzeichen und helfen auf unterschiedliche Weise.

Es ist zwar noch nicht wissenschaftlich bewiesen, doch erscheint es klar. Jeder hat es schon erlebt, dass ein Hund bestimmte Krankheitszeichen erkannt hat und reagiert hat. Und da die Spürnase besonders gut ausgebildet ist, klingt es plausibel, dass man den Hund darauf trainieren kann, bei bestimmten Gerüchen, bestimmte Handlungen auszuführen.

Das Zuckerstück im Swimmingpool

Warum kann der Hund das? Eine Hundenase kann viel. Das liegt daran, dass der Hund zwischen 100 und 300 Millionen Riechzellen in seiner Riechschleimhaut besitzt, der Mensch nur 10 Millionen. Und diese Riechzellen sind auf 170 cm2 verteilt, beim Menschen sind es nur 10 cm2. So kann ein Hund, wenn er darauf trainiert ist, riechen, ob ein Zuckerwürfel in einem Swimmingpool aufgelöst wurde oder nicht.

Der Hund kann sogar „stereo“ riechen, also in jedem Nasenloch getrennte Informationen erschnüffeln. So kann er über den Urin eines Artgenossen z. B. das Geschlecht erschnüffeln, ob der Buddy krank oder gesund ist, und aus welcher Richtung er kam.

Was ist Diabetes?

Was man im Volksmund auch Zuckerkrankheit nennt, ist ein Mangel am Hormon Insulin. Insulin wird benötigt, um den Zucker im Blut abzubauen, der durch Nahrungsmittel aufgenommen wird. Ohne Insulin steigt der Blutzuckerwert, daher müssen Diabetes-Patienten Insulin spritzen. Spritzt man zu viel Insulin, kann es zu einer Unterzuckerung kommen. Ein Mangel an Insulin ist bei Patienten mit Diabetes Typ 1 der Fall, bei Typ-2-Patienten kommt es im Lauf des Lebens zu einer Art „Insulinresistenz“ von Körperzellen oder einer „Erschöpfung“ der insulinproduzierenden Zellen. Die Folge ist die gleiche, es muss Insulin gespritzt werden, wenn nicht eine grundsätzliche Veränderung von Ernährung und Lebensweise hilft.

Das lernt die Spürnase

Der Diabetes-Warnhund lernt nun wirklich Erstaunliches: Bei Schwankungen des Blutzuckerspiegels werden Botenstoffe ausgesendet, sogenannte Neurotransmitter. Dies führt zu einer Veränderung des Atems und des Schweißes.

Der Hund kann diese Veränderungen des Körpergeruchs erkennen, wenn er darauf trainiert wurde. So lernt er, den Körpergeruch eines Besitzers / Patienten mit der Nase zu überprüfen. Wenn er einen schnellen Anstieg oder Abfall des Blutzuckers durch die Atemluft oder den Schweiß bemerkt, so reagiert der Hund und macht den Besitzer durch bestimmte, vereinbarte Signale aufmerksam.

Und noch überraschender: Der Hund weiß auch, dass er bei einem stabilen Blutzuckerwert nicht Alarm geben muss. Er ist also auf extreme Schwankungen des Blutzuckerspiegels trainiert und kann den Patienten warnen, bevor es zu einer Bewusstlosigkeit kommt.

Was tun im Notfall?

Und auch wenn der Notfall eintritt, ist der Hund nicht überfordert, sondern zur Stelle: Er ist darauf trainiert, bei einer Unterzuckerung z. B. eine Flasche mit einem zuckerhaltigen Getränk zu bringen. Oder auch, wenn es Spitz auf Knopf steht, einen bestimmten Alarmknopf in der Wohnung zu drücken und Hilfe zu holen. In manchen Fällen erkennt der Hund eine beginnende Entgleisung des Blutzuckerspielgels schneller als ein Test über einen Blutstropfen aus der Fingerkuppe, den der Patient selber durchführen muss.

Wissenschaftliche Studien gibt es leider nicht, doch in vielen Fällen liegt die Trefferquote beim Diabeteswarnhund um die 80 %. Diese ist besser, je frischer der Hund von der „Schulbank“ kommt, daher muss der Hund auch immer wieder ins Trainingscamp.

Als offizielles medizinisches Hilfsmittel ist der Diabetes-Warnhund leider nicht zugelassen. Für die Ausbildung, die mehrere 10.000 Euro kostet, zahlen die Krankenkasen keine Zuschüsse.

Weitere Assistenz-Spürnasen

Auch bei anderen Krankheiten verändert sich der Geruch des menschlichen Körpers. Diese Veränderungen werden von gut ausgebildeten Assistenzhunden erkannt. So kann ein Assistenz-Hund einen bevorstehenden Epileptischen Anfall erkennen und die Betroffenen warnen, sich in Sicherheit zu bringen oder Medikamente einzunehmen. Auch bei verschiedenen Krebsarten werden Hunde eingesetzt, um Veränderungen im Körper zu erkennen. Aktuell werden Hunde für das Erschnüffeln von Covid-19 trainiert, das Projekt sieht vielversprechend aus, steht aber noch ganz am Anfang (Stand Juli 2020).

Natürlich müssen auch Jagdhunde eine besonders gute Spürnase haben. Oder auch Rettungshunde, die vermisste Personen suchen und über Kilometer hinweg aufspüren können. Und kennen Sie die Museums-Spürhunde? Sie helfen, jahrtausendealte Skelette zu finden und wieder zusammenzusetzen?

Dem Verbrechen auf der Spur

Neben dem Drogensuchhund, der beim Zoll zum Einsatz kommt, ist ganz modern auch der Datenträger-Spürhund dem Verbrechen auf der Spur. Das ist ein Suchhund, der auf elektronische Speicherkarten oder USB-Sticks trainiert ist, da in diesen Speichermedien eine bestimmte Chemikalie enthalten ist. So kann ein sogenannter E-Detektor-Hund einen Speicherstick am Boden einer gefüllten Mülltonne aufspüren.

Wir werden in loser Folge noch weitere „Hunde mit Job“ vorstellen, um mehr über diese faszinierende Welt der Hunde-Höchstleitung zu erfahren.

Sind Sie nun auf den Geschmack gekommen, Ihren Hund auch noch ein bisschen mehr zu fordern als mit „Sitz“ und „Platz“? Dann gleich auf zu unseren Trainings-Snacks und viel Spaß bei der Arbeit. https://herrmanns-manufaktur.com/bio-hundefutter/snacks-kauartikel/

Quellen:

Verband für das Deutsche Hundewesen (Hrsg.): Unser Rasse Hund, Ausgabe 3 /2019, https://www.br.de/wissen/hunde-assistenzhund-suchhund-spuerhund-rettungshund-jagdhund-blindenfuehrhund-100.html

http://www.assistenzhunde-zentrum.de/index.php/news/covid-19-hunde

https://www.haustier-news.de/wie-funktioniert-die-nase-des-hundes/

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