Umzug, Corona und weitere Überraschungen – ein Gespräch mit Erich Herrmann zum Jahr 2020.

Umzug, Corona und weitere Überraschungen – ein Gespräch mit Erich Herrmann zum Jahr 2020.

2020 war für uns alle ein herausforderndes Jahr. Für Erich Herrmann begann es schon anstrengend, als er im Januar den gesamten Betrieb innerhalb von 2 Wochen einpacken, umziehen, wieder auspacken und ans Laufen bringen musste.

Nachdem dies einigermaßen geschafft war, kam die Corona-Pandemie und stellte den Betrieb vor neue Herausforderungen. Nun ist das Jahr zu Ende und wir sprechen mit Erich Herrmann über ein Loch in der Wand, Hamsterkäufe und die Aussichten für 2021.

Der Januar 2020 begann schon turbulent, da Sie die gesamte Manufaktur innerhalb von 2 Wochen umziehen mussten. Warum nicht nach und nach?

Der Umzug war natürlich eine Mammutaufgabe, da die gesamte Produktion inkl. Lager, Versand, Etiketten innerhalb von 2 Wochen abgebaut, umgezogen und betriebsbereit wieder aufgebaut werden sollten. Da musste schon mal ein Loch in die Mauer geschlagen werden, um die Maschinen in die erste Etage zu kranen! Abenteuerlich, aber alles ging gut.

Denn nur so war es möglich, störungsfrei am neuen Standort weiter zu produzieren. Natürlich kam es trotzdem zu kleinen Schwierigkeiten, aber alle Mitarbeiter haben an einem Strang gezogen und so haben wir alles sehr gut gewuppt.

Und kaum hat man sich nach dem Umzug einigermaßen eingefunden, kommt die Corona-Pandemie und stellt Sie vor ganz neue Herausforderungen. Welche waren das in Ihrem Fall?

Der Beginn der Pandemie war für uns in zweierlei Hinsicht eine Herausforderung. Denn zum einen mussten wir durchdachte und enorme Hygiene-Maßnahmen ergreifen, die Schichten so aufteilen, dass diese sich nicht treffen, Abstände einhalten etc. Also alles tun, um ja handlungsfähig zu bleiben. Zum anderen war die Nachfrage enorm. Die Menschen hamsterten, was das Zeug hielt, das haben wir ja alle noch im Kopf. Tierfutter hat ja eine ähnliche Haltbarkeit wie Klopapier und ist ebenso essenziell …

Dabei war es unser Vorteil, dass wir seit jeher mit regionalen Lieferanten zusammenarbeiten, doch als die Grenzen geschossen wurden, hatten auch wir mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Insgesamt haben sich die gesamten Rohstoff-Preise geändert, und damit meine ich nicht nur Geflügel und Karotten, sondern auch Kartonagen etc. Und wir haben festgestellt, wir könnten am Standort noch ein paar Quadratmeter mehr brauchen ….

Oje, gerade eingezogen und schon wünscht man sich mehr Platz? Wie haben Sie nun reagiert? Ein weiterer Umzug kommt ja wohl nicht in Frage.

Anfangs dachten ja alle, die Corona-Pandemie ist dann in einigen Monaten wieder durch. Leider ist es ja nicht so und wir müssen alle weiterhin zusammen- und durchhalten. Das heißt auch, dass die Nachfrage immer noch auf hohem Niveau steht, also haben wir versucht, die Produktionskapazitäten zu erhöhen. Was wiederum neue Planung von Metzgerei, Sterilisation und in allen verzweigten Bereichen bedeutet. Aber wir sind auf einem sehr guten Weg, würde ich sagen.

Also können Sie für das erste Jahr am neuen Standort eine positive Bilanz ziehen, auch die Corona-Maßnahmen haben Sie gut bewältigt, was haben Sie besonders vermisst in diesem Jahr?

Wie wir alle habe ich die Treffen mit Freunden und Familie vermisst, größere Geburtstage feiern, unbeschwert in Urlaub fahren, beruflich habe ich am meisten die Messen und den direkten Kontakt zu unseren Kunden vermisst. Herrmann‘s Manufaktur hatte ja die Teilnahmen an 13 Messen geplant, bei vielen Messen bin ich auch selber am Stand und freue mich immer, dort direkt mit Kunden zu sprechen, Lob und Kritik mitzunehmen oder im Gespräch auch manches zu klären. Ich hoffe, wir werden im neuen Jahr wieder die Möglichkeit für Messen haben.

In 2021 feiern Sie 15-jähriges Jubiläum! Herzlichen Glückwunsch! Bei der Gründung Ihres Unternehmens 2006 war „bio“ für Haustiere ja noch exotisch und Sie wurden belächelt. Wie hat sich der Markt in den letzten Jahren verändert?

Ja, anfangs haben wir das nur nebenberuflich gemacht mit Handabfüllung in einer gemieteten Garage. Doch es gab immer mehr Nachfrage nach natürlichem Futter und wir waren uns immer sicher, dass bio auch für Tiere das Beste ist und dass man mit Bio-Zutaten und ohne Zusätze ausgewogene gute Rezepturen herstellen kann. Daher haben wir weitergemacht, bis heute und sind nun mit 60 Mitarbeitern und über 100 Produkten Marktführer im Bio-Tierfutter-Segment.

Inzwischen hat „bio“ einen ganz anderen Stellenwert erhalten. Auch wenn man sich wünschen würde, dass es doch weiteres Umdenken gibt. Für uns war von Anfang an wichtig, dass auch die Nutztiere mit Respekt behandelt werden und ein artgerechtes Leben haben. Ein Bio-Huhn lebt z. B. schon mal doppelt so lange wie ein konventionelles Huhn, man gibt ihm Zeit zum Wachsen und Auslauf, um die Muskeln auch zu nutzen, um zu picken etc.

Doch auch beim Obst und Gemüse gibt es sehr große Unterschiede in den Pestiziden und Schadstoffen, die sich auf den Früchten befinden. Auch hier ist uns „bio“ sehr wichtig.

Was mögen Ihre Kunden denn besonders an Ihrem Futter?

Die Kunden sind heute immer aufgeklärter und informierter. Daher ist eigentlich den meisten klar, dass „bio“ die bessere Wahl ist. Leider siegt bei der Entscheidung auch oft der Geldbeutel. Es ist natürlich eine Preisfrage, das ist uns klar, und das kann nicht jeder leisten.

Doch wir haben auch viele Kunden mit Hunden, die unter Allergien und Unverträglichkeiten leiden. In diesem Bereich ist es doppelt wichtig, auf Pestizide im Futter, Antibiotikagaben und Masthormone im Fleisch zu verzichten. Und diese Hunde können oft nur 1 oder 2 Sorten vertragen … Wir bekommen oft über unsere Beratung mit, wie schwierig die Suche nach einem geeigneten Futter ist, wie der Hund dabei leiden muss und wie happy die Menschen dann sind, endlich bei uns etwas gefunden zu haben, womit sich alle wohl fühlen. Das freut uns natürlich immer sehr!

Wir haben Ende Dezember, worauf freuen Sie sich an den Feiertagen?

Auch wenn es heuer nicht so ein großes Familienfest geben wird wie sonst bei uns, freue ich mich auf das Spielen mit meinen Kindern, eine ruhige Zeit und das Kochen für meine Familie. Und ich wünsche allen Tierfreunden ebenfalls schöne und ruhige Weihnachten (die Vierbeiner halten ja immer zu uns) und für 2021: zamhalten, durchhalten und Gesundheit!

Herzlichen Dank für das Gespräch, Herr Herrmann, und alles Gute für die Zukunft.  

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